St. Peter - Bad Waldsee
Die Pfarrkirche St. Peter ist wie kein anderes Gebäude stadtbildprägend.
Mehr erfahrenDie Pfarrkirche St. Peter ist wie kein anderes Gebäude stadtbildprägend.
Mehr erfahrenLiebe Gemeindemitglieder,
liebe Bürgerinnen und Bürger,
liebe Gäste
Manchmal kommt es mir so vor, als hätten wir sie verlernt, als wären sie verloren gegangen, verloren gegangen unter all dem, was Tag für Tag lauthals und bildgewaltig über uns ausgeschüttet wird. Schlagzeilen, die scharf wie Speerspitzen sind, Aussagen, die uns wie ein Fausthieb treffen und Nachrichten, die uns stumm zurücklassen, Bilder, die in rasender Geschwindigkeit aufeinander folgen, die provokant und effektheischend sind. Die Welt ist laut und schrill. Nicht nur in den Nachrichten und in der Werbung, das hat sich auch in den Umgangston der Gesellschaft hineingearbeitet. Bis in Freundeskreise und Familien. Die leisen Töne scheinen darüber verloren gegangen zu sein, oder sie gehen im Getöse unter.
Elija ist wieder auf dem Weg. Eigentlich hat er schon mit seinem Leben abgeschlossen, aber dann hat er doch noch einmal auf den Boten Gottes gehört. Auf dem Gottesberg Horeb, so erzählt es das erste Buch der Könige, soll er nun Gott begegnen. Er wartet in einer Höhle. Sturm, Erdbeben und Feuer grollen, dröhnen und brausen vorbei – doch darin ist Gott nicht zu finden. Nach den großen Gewalten kommt ein leises Säuseln, oder wie Buber und Rosenzweig übersetzen: „eine Stimme verschwebenden Schweigens“ – DARIN begegnet Elija letztlich Gott. „Eine Stimme verschwebenden Schweigens“, welch wunderbare Sprache und welche Unscheinbarkeit!
Es ist schwer sich nicht vom Grollen, Dröhnen und Brausen beeindrucken zu lassen, sondern das leise Säuseln oder das verschwebende Schweigen wahrzunehmen. Aber es lohnt sich. Und es ist für unsere Gesellschaft, unsere Kontakte und Beziehungen notwendig. Denn echtes Verstehen und Begegnen braucht gerade die leisen Töne und die Zwischenbotschaften. Es braucht die Nachrichten zwischen den Zeilen und das Verständnis auch dessen, was unausgesprochen bleibt. Oft sind es die leisen Töne, die trösten, die ermutigen, die heilen und die Menschen verbinden. Manchmal werden sie sogar nur mit den Augen oder mit einem Händedruck gesprochen.
„ich bin da“
„ich hab` dich lieb“
„das geht vorüber“
„du kannst auf mich zählen“
„ich glaub an dich“
„gemeinsam schaffen wir das“
„es gibt eine Lösung“
Ein Aufhorchen und ein Hinhören auf das Leise und Poetische erzeugen manchmal Worte, deren Gebrauch in Vergessenheit geraten ist. Der Adventskalender vom Verein Andere Zeiten hat damit vor einigen Jahren Magnete bedruckt, z.B. „Augenstern“, „Dreikäsehoch“ und „hanebüchen“. Fallen Ihnen noch mehr solche Worte ein? Oder erinnern Sie sich an wichtige Worte, die ihnen gesagt wurden, leise oder nur mit einem Blick? Vielleicht hilft uns der Sommer mit etwas mehr Zeit und Ruhe, um manch leise Töne wieder zu finden. Um uns darin zu Üben, die liebevolle Sprache zu nutzen, die uns auf heilsame Weise miteinander verbindet. Worte können wie Küsse schmecken. Probieren sie es aus!

Sandra Weber
Gemeindereferentin
Bilder: factum.adp / In: Pfarrbriefservice.de
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