St. Peter - Bad Waldsee
Die Pfarrkirche St. Peter ist wie kein anderes Gebäude stadtbildprägend.
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Mehr erfahrenLiebe Leserin,
lieber Leser,
wenn es hart auf hart kommt und Rechtsradikale nach der Macht greifen: Wer bleibt standhaft? Wer dreht sein Fahnerl nach dem Wind, oder macht sich in vorauseilendem Gehorsam sogar zum Steigbügelhalter? In Sachsen-Anhalt sehen wir, wie schnell das gehen kann. Sehr wahrscheinlich, wenn auch nicht beweisbar, haben christdemokratische Abgeordnete Rechtsradikalen in höchste politische Ämter verholfen.
Dabei ist klar: „Völkischer Nationalismus und Christentum sind unvereinbar“ (Deutsche Bischöfe, 2024). Wenige Tage später posiert Altkanzler Schröder (SPD) fröhlich mit dem Kriegstreiber Putin, und die USA verhängen Sanktionen gegen den Internationalen Strafgerichtshof.
Habt ihr kein Gewissen? Hannah Arendt fragte nach dem Krieg, warum sich einige wenige Deutsche der Zusammenarbeit mit den Nazis verweigert hatten. Ihr Ergebnis: Sie lehnten es nicht deshalb ab zu morden, weil sie das Gebot „Du sollst nicht töten“ streng befolgten, sondern weil sie nicht mit einem Mörder zusammenleben wollten, mit sich selbst. Im Kern steht also keine politische Haltung, sondern die Frage: Kann ich mit mir selbst leben? (G. Beckerman) Ich kann nicht anders, sonst wäre ich nicht ich.
Das Evangelium dieses Sonntags zeigt uns die Richtschnur. Man hält Jesus eine Münze hin, darauf das Bild des göttlich verehrten Kaisers. Soll man ihm Steuern zahlen? Eine Fangfrage, jede Antwort ist falsch: Ein Ja wäre eine Abkehr vom Glauben an den einen Gott, denn kein Mensch ist ein Gott. Ein Nein wäre ein Aufruf zum Aufruhr. Jesus antwortet: „Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist!“ Das zeigt die rote Linie und zugleich den Weg. Die Kaiser dieser Welt, ob sie Trump, Putin oder Xi heißen, kann ich nicht leugnen. Aber mein Gewissen und meine Wahrheit bekommen sie nicht. Denn meine Würde gehört Gott, dessen Abbild ich bin.
Jesus wurde als politischer Rädelsführer gekreuzigt, mit der typisch römischen Strafe für Aufrührer (heute würde man so etwas wahrscheinlich im Livestream zeigen). Man warf ihm sogar vor, die Steuer zu verweigern (Lk 23,2). Dabei wollte er keine Revolution anzetteln. Sein Widerstand kam aus einer tieferen Quelle: aus seiner inneren Wahrheit, von der er nicht abließ. Zum Dissidenten macht man sich nicht selbst. Man wird dazu gemacht, wenn man standhaft bleibt.
Wer denkt nur politisch opportunistisch, und wer hat einen tieferen Anker? Das wird die Zeit zeigen. Ich glaube: Die Überwindung der politischen Krise und des Misstrauens kann nicht allein aus der Politik selbst kommen. Kurz darauf stellt dieselbe Gruppe Jesus die nächste Fangfrage, die nach dem wichtigsten Gebot. Er antwortet mit dem dreifachen Gebot der Liebe: zu Gott, zum Nächsten und zu sich selbst. Ohne eine Repolitisierung von tätiger Nächstenliebe und Mitleid, wie Dorothee Sölle sie forderte, hat die Demokratie keine Zukunft.
Darum möchte ich gerade die Jugendlichen in Bad Waldsee ermutigen, ob konservativ oder progressiv, sich auf ihre Überzeugungen zu besinnen und sich zu engagieren. Ich wünsche mir für unsere Stadt ein Bündnis für Menschenrechte und Demokratie.
Herzlich, Ihr

Diakon David Bösl
Bilder: factum.adp / In: Pfarrbriefservice.de