St. Peter - Bad Waldsee
Die Pfarrkirche St. Peter ist wie kein anderes Gebäude stadtbildprägend.
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Mehr erfahrenLiebe Gemeindemitglieder,
liebe Bürgerinnen und Bürger,
liebe Gäste,
Es war letzten Sonntag in Reute. In meiner Predigt ging es um die Schwierigkeit, dass wir im Vergleich zu den Zeitgenossen von Jesus keine direkte menschliche Begegnung mit Jesus haben. Aber gedanklich vorstellen können wir uns so eine Begegnung mit Sicherheit.
Als ganz praktisches Beispiel habe ich von einer spielerischen Runde erzählt, die ich zwischen den Jahren erlebte hatte. Mithilfe von Impulskarten im Blick auf Glaubenssachen für Nach- und Umdenker aus der Talk-Box (vgl. Titelbild) musste folgender Satzanfang: „Ich hätte Jesus gerne persönlich kennengerlernt, um…“ fortgeführt werden. In eben dieser Runde zwischen den Jahren kamen spannende Satzergänzungen zu Tage. „Ich hätte Jesus gern persönlich kennengelernt, um.. ihn zu fragen, ob das alles so stimmt, was da über ihn geschrieben worden ist; … mit ihm zu diskutieren, was er zu 2000 Jahre Christentum sagen würde; … herauszufinden, ob er mich faszinieren würde, ob ich ihm nachfolgen würde.
Ich habe dann letzten Sonntag die Predigt eben in diesem spielerischen Stil fortgesetzt und weitere Impulskarten aus der Talk-Box in den Raum gestellt, verbunden mit der Einladung, mit dem Sitznachbarn, der Sitznachbarin ins Gespräch zu kommen. Alle zur Rubrik „Hauptperson“, also alle, die sich um Jesus drehten. Zum Beispiel: An Jesus bleibt mir rätselhaft… oder: Jesus ist so wichtig, weil… Oder: Wenn ich Jesus eine Frage stellen könnte… Und da ist mir wieder mal aufgefallen, wie es Gottesdienstbesucherinnen und -besucher schwer fällt, über den Glauben zu reden. Ein Phänomen, das nicht nur Jugendliche (z.B. bei der Firmvorbereitung) haben, sondern auch Erwachsene und das selbst bei Kircheninsidern festzustellen ist.
Viele von uns tragen den Glauben im Herzen, aber finden oft keine Worte dafür. Wir glauben – und doch fällt es schwer, darüber zu sprechen. Vielleicht, weil wir meinen, der Glaube müsse perfekt formuliert sein. Vielleicht, weil wir Angst haben, etwas falsch zu sagen. Doch Glaube beginnt nicht mit großen Worten. Er beginnt mit Erfahrung. Mit dem, was uns trägt, wenn es schwer wird. Mit dem, was uns Hoffnung schenkt, wenn wir sie selbst nicht mehr finden.
Sprachfähig im Glauben werden heißt nicht, alles erklären zu können – sondern ehrlich zu sagen, was uns hält. Jesus selbst hat einfache Worte gebraucht: Gleichnisse aus dem Alltag, Bilder vom Säen, vom Brot, vom Licht. Er zeigt uns: Der Glaube sucht keine komplizierte Sprache, sondern eine menschliche. Eine Sprache, die aus dem Leben kommt. Sprachfähig im Glauben werden wir, wenn wir lernen zuzuhören – auf Gott und aufeinander. Wenn wir Worte finden für Dank und für Zweifel. Wenn wir den Mut haben zu sagen: Ich weiß nicht alles, aber ich vertraue. Vielleicht ist das der erste Schritt: Nicht nach fertigen Antworten suchen und sie dann perfekt geben, sondern in erster Linie die ungewisse Ahnung und die unsichere Hoffnung aussprechen und teilen. Denn wo wir diesen unseren Glauben - so brüchig, so schwach er vielleicht in eigenen Worten daherkommt - teilen, wird er lebendig, für andere und für uns selbst.
Herzliche Einladung, am kommenden Sonntag über Glaubenssachen zu reden, über die Sonntagspredigt, über das Sonntagsevangelium, über den Gottesdienstbesuch oder Nichtbesuch, über Gott und die Welt…

Pfarrer Stefan Werner

Bilder: factum.adp / In: Pfarrbriefservice.de