St. Peter - Bad Waldsee
Die Pfarrkirche St. Peter ist wie kein anderes Gebäude stadtbildprägend.
Mehr erfahrenDie Pfarrkirche St. Peter ist wie kein anderes Gebäude stadtbildprägend.
Mehr erfahrenLiebe Gemeindemitglieder,
liebe Bürgerinnen und Bürger,
liebe Gäste
stellen Sie sich einmal einen Weinberg vor. Mögliche Anregungen für ein Bild gibt es in Deutschland ja einige, seien es die Weinreben am Bodensee – in Meersburg oder Hagnau, die Weinberge in Untertürkheim, im Rhein-MainGebiet, an der Mosel oder im Kaiserstuhl. Diese Aufzählung ist unvollständig, gerne dürfen Sie Ihr bevorzugtes Weinanbaugebiet in Gedanken hinzufügen.
Stellen Sie sich einen Weinberg mit vielen Reben vor, die saftige volle Trauben tragen. Um den Weinberg ist ein Zaun und mitten auf dem Weinberg stehen ein Turm und eine Kelter. Dieses Bild ist die Ausgangssituation für das mörderische Gleichnis, das Jesus im Sonntagsevangelium der jüdischen Führungselite erzählt. Diesen schönen Weinberg verpachtet der Besitzer, um selbst in einem anderen Land zu leben. Als die Zeit der Ernte kommt schickt der Besitzer Knechte zum Pächter, um seinen Anteil der Früchte zu holen. Den Knechten geschieht jedoch schlimmes – sie werden verprügelt, gesteinigt und getötet. Diese drei Verben umschreiben die brutale Tat des mehrfachen Mordes. Auch einer zweiten, größeren Gruppe an ausgesandten Knechten ergeht es gleich. Zuletzt schickt der Weinbergbesitzer seinen einzigen Sohn und damit auch einzigen Erben. Doch selbst vor ihm haben die Pächter keine Achtung. Auch er wird gepackt, aus dem Weinberg geworfen und umgebracht. Grund dafür ist das Erbe. Die Pächter wollen den Besitz erben. Sie haben somit einen niederen Beweggrund – ihre Habgier, die sich im Laufe der Handlung steigert: Während sie zu Beginn nur die Ernte für sich behalten wollen, so ist es am Ende gar der Weinberg, den sie erben wollen.
Die Beziehung zwischen Besitzer und Pächter sowie den Gesandten ist zutiefst gestört, obwohl doch die Pächter ihren Lebensunterhalt dem Weinberg und seinem Besitzer verdanken. Durch ihr grausames Tun zerstören sie jegliche Beziehung zu ihm – während der Weinbergbesitzer immer wieder neu versucht, die Beziehung aufrecht zu halten und seinen Weinberg nicht aufzugeben bereit ist. Sein Einsatz geht bis hin zur Sendung seines Sohnes. Die drei ausgesandten Vertretungen – insbesondere der Sohn, der Erbe – dienen dazu, inmitten der Kontraste eine Brücke zu bauen und die Beziehung zu den Pächtern wieder aufzunehmen. Dies misslingt jedoch durch das Morden der Pächter gleich dreimal. Sie stehen damit in krassem Kontrast zum Weinbergbesitzer.
Dieses Gleichnis vom Mord im Weinberg verwendet Jesus im Streitgespräch mit den Hohepriestern und Pharisäern. Es geht um die theologische Frage nach der Autorität Jesu. Dabei steht letztlich die Frage nach der Vollmacht Jesu insgesamt zur Debatte und nach der Legitimation seines Wirkens. Die Vertreter der Jerusalemer Aristokratie fragen ihn nach der Vollmacht, mit der er z.B. Blinde und Lahme heilt und danach, wer ihm die Vollmacht gegeben habe. Jesus erklärt ihnen dieses durch Gleichnisse und mit Hilfe der Metapher des Sohnes eines Weinbergbesitzers. Am Ende wird erst der Auferstandene offenbaren, dass ihm von Gott alle Vollmacht im Himmel und auf der Erde gegeben worden ist. Doch noch ist es nicht soweit.
Der scharfe Kontrast zwischen Weinbergbesitzer und Pächter kann auch uns zum Fragen anregen: Auf welche Seite stehe ich persönlich? Auf der Seite des Weinbergbesitzers oder auf der Seite der Pächter? Wie ist meine Beziehung zu dem gesandten Sohn des Weinbergbesitzers, der von mir etwas fordert?

Kathrin Bohnenberger
Gemeindereferentin
Bilder: factum.adp / In: Pfarrbriefservice.de
HERZLICHE EINLADUNG ZUM ORATORIENCHOR FÜR WEIHNACHTEN - PROBENBEGINN AB 09. OKTOBER 2026