St. Peter - Bad Waldsee
Die Pfarrkirche St. Peter ist wie kein anderes Gebäude stadtbildprägend.
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Mehr erfahrenLiebe Gemeindemitglieder,
liebe Bürgerinnen und Bürger,
liebe Gäste,
jeden Sonntag hören wir im Wortgottesdienst der Messe in einer bestimmten Leseordung eine Stelle aus einem der vier Evangelien. Jeder dieser vier Evangelisten hat ein Erkennungssymbol. Die Symbole gehen auf die Visionen des Ezechiel im Altes Testament und der Offenbarung des Johannes im Neuen Testament zurück und wurden im 4. Jahrhundert durch den Kirchenvater Hieronymus endgültig zugeordnet. So repräsentiert der Adler des Johannes die Erhabenheit und den geistigen Flug des Evangeliums, das hoch anhebt. Beim Blick auf sein Evangelium zeigt sich die schriftstellerische und theologische Leistung des Autors, denn sein Evangelium geht einen ganz eigenständigen und theologisch stark reflektierten Weg der Darstellung christlicher Glaubensinhalte.
Dies wird auch im Sonntagsevangelium deutlich, das von der Heilung eines Blindgeborenen am Teich Schiloach (Joh 9,1-41) erzählt. Nach seinem Aufenthalt im Tempel verlässt Jesus diesen Bezirk und heilt unterwegs den Blindgeborenen, indem er ihm einen „Teig“ aus Speichel und Erde auf die Augen streicht und ihn anschließend zum Waschen an die Tempelquelle Schiloach schickt. Diese Heilungsgeschichte hat, wie so oft im Johannesevangelium, ein „Nachspiel“: der (namenlose) Geheilte begegnet seinen Bekannten und Nachbarn, er wird von den Pharisäern verhört, die anschließend auch die Eltern des einstigen Blinden verhören. Nach einem zweiten Verhör des Geheilten durch die Pharisäer begegnet er Jesus wieder und bekennt sich zu ihm, wobei die feindlichen Pharisäer schließlich von Jesus verurteilt werden.
Die Heilung des Blinden soll bewusst machen, dass Jesus die Werke Gottes tut und das Licht der Welt ist. Der Blindgeborene erhält somit nicht nur seine Sehfähigkeit, sondern wird auch im Glauben sehend. Die Pharisäer dagegen als körperlich sehende Menschen sind im übertragenden Sinne blind, denn sie weisen die Vorstellung zurück, dass im Wirken Jesu Gottes Werke offenbar würden. Ihr Argument: Die Augenöffnung fand an einem Sabbat statt, deshalb sei Jesus ein Sünder, weil er die gebotene Sabbatruhe nicht einhielt. Der Blindgeborene bekennt in dieser Situation jedoch mutig seine Überzeugung.
Und so endet die Erzählung bei einer erneuten Begegnung zwischen dem ehemals Blinde und Jesus, mit dessen Glaubensbekenntnis. Jesus hat ihm die Augen geöffnet. Er sieht jetzt nicht nur mit seinen Augen, sondern mit Herz und Verstand. Und mit Augen und Herzen sieht er glaubend Jesus, den Gesandten, das Licht der Welt – den Menschen, durch den Gottes Werke offenbar werden.
Jesus und sein „Werk“ stellen also die Menschen in die Entscheidung – eine Entscheidung, die die Menschen selbst vollziehen. Deshalb geht die Frage Jesu am Höhepunkt dieser Bibelstelle an den Geheilten und an die Leserinnen und Leser des Evangeliums gleichzeitig: Glaubst du an Jesus, der von Gott gekommen ist und zu Gott zurückkehren wird / zurückgekehrt ist? Und damit verbunden auch die Frage an mich ganz persönlich: bin auch ich, wie der ehemals Blinde, bereit meinen Glauben zu bekennen? Stehe ich für meine Überzeugung ein?

Kathrin Bohnenberger
Gemeindereferentin
Bilder: factum.adp / In: Pfarrbriefservice.de