SEELSORGEEINHEIT BAD WALDSEE

  • 07524 99091-0

Reute feiert am Gut-Betha-Fest den 600. Todestag von Elisabeth Achler

 
Interessant zu wissen, dass die 500-Jahr-Feier des Todestags der Guten Beth im Jahre 1921 wegen einer Seuche ebenfalls um ein Jahr verschoben werden musste. Nachdem Corona vor ein paar Tagen auch das Kloster Reute erreichte, durften alle Schwestern vor Ort sowie auch Klosterpfarrer Uli Steck die Festgottesdienste in der Kirche nicht mitfeiern. Dank einer hausinternen Sprechanlage konnten die Klosterbewohner aber doch die Feierlichkeiten mithören.
 
Auftakt zum Gut-Betha-Fest war eine neuntägige Gebetsnovene vom 16. bis 24. November in der Pfarr- und Wallfahrtskirche Reute. Zusammen mit den Franziskanerinnen wandte sich die Seelsorgeeinheit Bad Waldsee in der aktuell bewegenden Corona-Pandemie an die Selige Gute Beth. Als Nothelferin wird sie heute angerufen, die Hilfe Gottes für unsere Gesundheit zu erflehen. In diesen Abendstunden wurden neben Gebeten und Fürbitten auch besondere thematische Zeugnisse eingebaut. Den Auftakt machte Schwester Tobia, noch in Ausbildung stehend präsentierte sie ihren Glaubensbezug. Kerstin Dirlewanger und Peter Niedergesäß sprachen als Sozialarbeiterin/KAB-Funktionär. Neben Pfarrer Stefan Werner offenbarte sich vor den Betern auch die evangelische Pfarrerin Christine Schramm.
 
Kurseelsorger Egon Wieland musste nach einem tödlichen Verkehrsunfalls einer jungen Frau zusammen mit der Polizei den Eltern diese schmerzliche Nachricht überbringen. Nicht einfach war für ihn auch danach mit der Familie über das kommende Weihnachten zu sprechen. Generaloberin Schwester Maria Hanna ging auf das Ordensgelübde der Franziskanerinnen in der heutigen Zeit ein: Armut, ehelose Keuschheit und Gehorsam. Während Silvia Graefe sich als christliche Ärztin am Mikrofon bekannte, sprach Monika Winstel aus der besonderen Verantwortung einer Hospiz-Einsatzleiterin. Ihre große Sorge galt all den Vielen, welche derzeit wegen der Pandemie allein sterben müssen. Am Vorabend des Gut-Betha-Festes wurde die Novene mit einer Lichterprozession beendet.
 
Elisabeth Achler, von allen aber nur die Gute Beth genannt, entschied sich im Alter von vierzehn Jahren für ein Leben nach den franziskanischen Regeln. Sie nimmt Abschied vom Elternhaus und geht ein paar Jahre später mit vier weiteren jungen Frauen in eine neuerbaute Klause nach Reute. Hier führte sie ein Leben in Abgeschiedenheit und Gebet. Hunger und Armut sind ihr nicht fremd. Im Klösterlein versorgte sie anfangs die Küche und somit auch die Armen an der Klosterpforte.
 
Als fromme Frau versuchte sie Jesus zu verstehen, in allem was er für die Menschen getan hatte. Besonders versetzte sie sich in sein Leiden und Sterben am Kreuz. Sie bekommt die Wundmale, so war sie buchstäblich geprägt vom Mitleiden. Zwölf Jahre lang lebte sie nur von der Eucharistie. Schon damals galt ihre große Sorge um die Einheit der Kirche. Bekannt ist ihre Vision, dass mit dem Martinstag 1417 auf dem Konstanzer Konzil ein Papst gewählt wird, der für diese Einheit steht.
 
Bei den drei Gottesdiensten am Mittwoch waren alle auf Abstand gehaltenen Plätze in der großen Pfarr- und Wallfahrtskirche gut belegt. Vormittags zelebrierte Pfarrer Thomas Bucher den Festgottesdienst. An der Orgel war Johannes Tress. Mit Gesang und Flöte überraschte Marina Bühler. Schwester Paulin, heute in der Landpastoral im Kloster Schöntal (Dekanat Hohenlohe) tätig, skizzierte in ihren Predigten die Gute Beth als Wundertäterin und Fürsprecherin bei Gott. Als ehemalige Generaloberin der Franziskanerinnen von Reute (2002 bis 2014) bekundete sie ihre besondere Verehrung der Seligen. In diesem Zusammenhang wurde auch erwähnt, dass vor 150 Jahren die Franziskanerinnen in Reute (vorher Ehingen) ihre Heimat fanden. Die Kirchenbesucher spendeten jeweils nach dieser sehr spontanen und lebendigen Predigt kräftigen Applaus.
 
Zur Mittagszeit feierte Pfarrer Stefan Werner und Diakon Marcel Görres die heilige Messe. Organistin war Maria Dobler, sie begleitete auch ein Gesangsensemble der Familie Schmid. Nachmittags stand Vikar Hubert Vogel am Altar. Neben Bernadette Behr an der Orgel musizierten Dietlind Zigelli und Stefan Werner an der Oboe sowie Nicola Natter (Fagott). Antje Stuberg übernahm den Gesangspart. Am späten Abend des Festtages gab es eine Livestream-Andacht mit einem Quintett bestehend aus Katrin Reichle, Marina Bühler, Herbert Eisele, Werner Hirsch und Stefan Werner.
 
Bericht und Bilder: Rudi Heilig

p1150208

p1150221