Seit 70 Jahren gibt es den Leonhardsritt in Gaisbeuren

Hans-Dieter Hertkorn führt die Blutreitergruppe seit einem Vierteljahrhundert

Am Sonntag wurde das Patrozinium des Dorfheiligen St. Leonhard wiederum im Dorfgemeinschaftshaus Gaisbeuren gefeiert. Um die besondere Bedeutung des Festtages zu dokumentieren, verzichteten die Pfarrer sogar auf den Hauptgottesdienst in der Franziskuskapelle des Klosters Reute. Auch weil im Anschluss an die Eucharistiefeier ein gemeinsames Mittagessen geboten wurde, strömten die Besucher in Scharen. Schon bald musste die angebotene Bestuhlung erweitert werden.

Pfarrer Stefan Werner nutzte den Todestag des Dorfheiligen, um dessen Leben nahe zu bringen. „Als Diakon war Leonhard den Gefangenen und Kranken nahe, wann haben wir letztmals einen Kranken besucht. Als Einsiedler versuchte der Heilige das Evangelium zu verstehen, finden auch wir heute noch Zeit für Stille und Gebet“, so die nachdenklichen und mahnenden Worte des Pfarrers. Der Legende nach heilte Leonhard auch Menschen und Tiere und spendete Trost und Hilfe. Der festliche Gottesdienst wurde von der Familiensonntag-Band unter der Leitung von Volker Schumacher musikalisch begleitet.

Gerne nahmen über 300 Gäste anschließend den von der Ortschaft Reute-Gaisbeuren arrangierten Mittagstisch an. Ortsvorsteher Achim Strobel konnte neben den Gemeindemitgliedern auch viele Gäste aus der Nachbarschaft begrüßen. Gegen dreizehn Uhr leerte sich das Dorfgemeinschaftshaus. Aus allen Richtungen trafen die Blutreiter zur Pferdesegnung ein. Hans-Dieter Hertkorn, welcher seit dem Jahre 1992 sowohl Gruppenführer als auch Vorstand der Blutreitergruppe Reute-Gaisbeuren ist, freute sich, dass trotz Dauerregen sich noch 36 Reiter eingefunden haben. Gute nachbarschaftliche Beziehungen dokumentierten Ross und Reiter auch aus Bad Waldsee, Aulendorf und Bergatreute.

Diakon Franz Fluhr erinnerte hoch zu Pferd in einer kurzen Andacht, welchen hohen Stellenwert die Kirche schon immer der Schöpfung und damit auch den Pferden zukommen ließ. Wie schon beim Blutfreitag in Weingarten saß Pfarrer Stefan Werner mit den Reitern aus Bad Waldsee im Sattel. Diesem festlichen Akt wohnten viele Besucher unter dem schützenden Vordach des Dorfgemeinschaftshauses bei. Neben Bürgermeister Roland Weinschenk waren auch Alfred Maucher, Sonja Wild, Helmut Kiefl sowie der neue Bundestagsabgeordnete Axel Müller unter den Gästen.

Mit der Musikkapelle voran, welche am Vormittag schon den Kurfrühschoppen in Bad Waldsee spielte, zogen die Reiter in Richtung Hof Kempter. Am Ortsende klinkte sich die Kapelle aus, betend ging es anschließend nach Kümmerazhofen. Hier wurde die Pferdeprozession mit der Kapellenglocke begrüßt. Vorbei an der Pfarr- und Wallfahrtskirche und dem Kloster Reute ging es dann zurück nach Gaisbeuren. Dem Regen geschuldet, empfing die Musikkapelle die Reitergruppe mit Marschmusik erst wieder am Dorfplatz. Ortsvorsteher Achim Strobel dankte hier den Reitern für das Aushalten auch bei Regen. Glückwünsche für „70 Jahre Leonhardsritt in Gaisbeuren“ an die Blutreitergruppe wurden mit Beifall bedacht. Ein wärmendes Getränk sowie Saiten nahmen die Reiter gerne an.

Während des Flurritts unterhielt das „Maulart-Kabarett“ (Siege Schock und Wolfgang Engelberger) zahlreiche Besucher bei Kaffee und Kuchen. Dabei wurden neben „Doktor Mang (Rückbildung von Vielfältigem in Einfältiges“, „Flohmarkt in Bad Waldsee“ auch dem „Vollmond über Mochenwangen“ seine Reminiszenz erwiesen.

Bericht und Fotos: Rudi Heilig