SEELSORGEEINHEIT BAD WALDSEE

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Schwäbische Zeitung vom 30.05.2019
Bericht: Markus Reppner

Die Tradition und Gastfreundschaft der Quartiersgeber

 Richard Haag legt im Quartier Fluhr letzte Hand an seinen Sattel. 17 Mal ist der 42-Jährige bislang beim Blutritt dabei gewesen.
(Foto: Markus Reppner)

 

Der Wettergott scheint es gut gemeint zu haben mit dem Blutritt in diesem Jahr: Gerade rechtzeitig haben sich Regen und der düstere Himmel über Oberschwaben verzogen und die Sonne strahlt mit angenehmen Temperaturen über Oberschwaben an Christi Himmelfahrt. Dementsprechend gut ist die Stimmung in den Quartieren für die Blutreitergruppen.

Im Stall der Familie Fluhr in Baienfurt hat man es sich auf Bierbänken gemütlich gemacht. Es gibt Kuchen, Saitenwürste, Kaffee und – wer will – bekommt auch ein kühles Bier. Die Pferde der Blutreitergruppe Bad Waldsee sind rechts und links angepflockt, in der Mitte steht die Essenstafel. Es gibt einen Grund zum Feiern, denn in diesem Jahr ist der Hof zum 70. Mal Quartiersgeber. Inhaber Paul Fluhr kennt das nicht anders. Er ist 63 Jahre alt und damit mit der Tradition aufgewachsen. Für die Familie ist es selbstverständlich, den Bad Waldseern Quartier zu geben. Und das wird auch so bleiben. „Wenn ich das nicht wieder mache, darf ich mich nicht mehr blicken lassen“, sagt Fluhr und lacht.

Ein besonderer Tag

In einem kleinen Raum neben dem Stall sind Sättel aufgereiht. Richard Haag legt letzte Hand an und poliert seinen Sattel auf Hochglanz. In Bad Waldsee ist er geboren, wohnt aber schon seit Jahren in Konstanz. Für den Blutritt kehrt er immer wieder nach Weingarten zurück. 17 Mal ist der 42-Jährige jetzt mitgeritten. „Es ist einfach ein schönes Erlebnis mit so vielen Reitern“, sagt er. „Es ist ein besonderer Tag, der mit Kraft gibt.“ 22 Reiter umfasst die Blutreitergruppe aus Bad Waldsee. Das sind fünf Pferde mehr als im vergangen Jahr, worauf Gruppenführer Paul Maucher besonders stolz ist, gehören die Bald Waldseer damit schließlich zu den wenigen Gruppen, die zahlenmäßig zugelegt haben. Maucher selbst ist seit 1958 dabei und kommt aus einer Blutreiterfamilie. „Der Blutritt ist mir in die Wiege gelegt“, sagt er. Seit 2002 ist er Gruppenführer.

Ortswechsel: Idyllisch liegt das Quartier der Familie Pfleghar in einer Talsenke in Albisreute. Auf dem Weg dorthin sind Reiter unterwegs, am Straßenrand sind Autos mit Pferdeanhängern abgestellt. Ausgelassen geht es auch hier zu. Die Bierbänke sind vor dem Stall aufgestellt. In einem Imbisswagen brutzeln die Bratwürste auf dem Grill. Ein Mädchen übt auf einer kleinen Tuba. Das Stück, das sie spielt, klingt noch nicht so ganz sattelfest. Aber das wird sich wohl bis zum Blutfreitag noch geben. Über 100 Jahre ist die Blutreitergruppe Schlier alt.

Freundschaften sind entstanden

Traditionsreich geht es auch auf dem Hof der Familie Sterk zu. Seit 1720 ist er im Familienbesitz. Zwar ist die Landwirtschaft nur noch ein Nebenerwerb, doch für die Sterks bleibt der Hof auch in Zukunft der Mittelpunkt ihres Lebens. Wie lange man schon Quartiersgeber ist, weiß Josef Sterk nicht mehr so genau. Doch die Gruppe aus Laupheim ist schon seit 48 Jahren Gast in Weingarten. „Über die Jahre hinweg sind dadurch viele Freundschaften entstanden“, sagt Sterk. Und ein ganz besonderes Ritual: Denn nach der Reiterprozession kehrt die Gruppe zurück auf den Hof. Im Garten gibt es dann zunächst einen Gottesdienst. Anschließend wir gemeinsam gegessen. An Christi Himmelfahrt reisen bereits die ersten Reiter an. Das Gros wird aber erst am Blutfreitag in der Früh eintreffen. Jetzt schon anwesend ist Gebhard Locherer. Er feiert dieses Jahr ein besonderes Jubiläum. Er reitet zum 65. Mal beim Blutritt mit.

Zehn Hektar umfasst der Grund und Boden des Quartiers. Davon sind allein drei Hektar Streuobstwiesen. „Das ist unser Paradies“, sagt Sterk stolz und freut sich besonders, dass Sohn Markus die Familientradition fortsetzen will. Das gilt sowohl für den Hof als auch für den Blutritt.

 


Schwäbische Zeitung vom 04.11.2018
Bericht: Rudi Heilig

60 Reiter beim Leonhardsritt in Gaisbeuren

 

Bei angenehmem Herbstwetter ziehen die Reiter an der Pfarrkirche Reute vorbei zurück nach Gaisbeuren.
(Foto: Rudi Heilig)

 

Der gute Besuch im vergangenen Jahr veranlasste die Verantwortlichen des Gemeinde- und Kirchenfestes St. Leonhard das Patrozinium des Gaisbeurer Dorfheiligen auch in diesem Jahr ins Dorfgemeinschaftshaus zu verlegen. Auch weil im Anschluss an den Familiengottesdienst ein gemeinsames Essen geboten wurde, strömten die Besucher in Scharen. Nur gut, dass es noch genügend Reservestühle gab. Am nachmittäglichen Leonhardsritt beteiligten sich über 60 Reiter. Letztes Jahr war diese Anzahl etwa bei der Hälfte, nasskaltes Wetter hielt damals viele von einer Teilnahme ab.

Beim Festgottesdienst freute sich Pfarrer Stefan Werner über ein volles Haus. Mit dabei waren auch Personen, welche von Sonntag bis Mittwoch im Kloster Reute eine Familienfreizeit belegt hatten. Unter der Leitung von Schwester Elisa brachten etwa ein Dutzend Kinder und Jugendliche mit ihren Eltern das Musical „Arche Noah“ auf die Bühne. Stefan Werner nannte sie „Familie Kunterbunt“. Es war ein Erlebnis zu sehen, wie die als Bär und Giraffe, Löwe und Elefant verkleideten Kinder in Noahs Arche Platz nahmen. Freude kam auf, als nach der großen Sintflut das Wasser wieder ablief und am Himmel sich ein herrlicher Regenbogen zeigte.

Pfarrer Werner spannte eine Brücke von den bunten Farben des Regenbogens zum heiligen Leonhard. Als Einsiedler war er im sechsten Jahrhundert viel auf dem Lande unterwegs und half dem einfachen Bauernvolk. Da er auch immer ein Herz für die Tiere hatte, wurde er zum Patron der Pferde erwählt. Den festlichen Gottesdienst begleitete musikalisch die Familiensonntag-Band unter der Leitung von Volker Schumacher. Das gemeinsame Mittagessen wurde von Mitgliedern des Ortschaftsrates und den Mitarbeiterinnen der Ortschaftsverwaltung zubereitet und sehr zügig serviert. Ortsvorsteher Achim Strobel konnte dazu neben den Gemeindemitgliedern auch viele Besucher aus der Nachbarschaft begrüßen. Unter den Gästen weilten auch Bundestagsabgeordneter Axel Müller sowie sein Kollege aus dem Landtag Raimund Haser.

Gegen 13 Uhr leerte sich das Dorfgemeinschaftshaus. Aus allen Richtungen trafen viele Reiter zur Pferdesegnung ein. Hans-Dieter Hertkorn – seit dem Jahre 1992 sowohl Gruppenführer als auch Vorstand der Blutreitergruppe Reute-Gaisbeuren – freute sich, dass in diesem Jahr die Anzahl der Reiter sich kräftig erhöht hat. Ross und Reiter auch aus Bad Waldsee, Aulendorf und Michelwinnaden dokumentieren gute nachbarschaftliche Beziehungen. Gar mit sechzehn Reitern beteiligte sich in diesem Jahr die Blutreitergruppe Bergatreute.

Diakon Franz Fluhr erinnerte hoch zu Ross in einer kurzen Andacht, welch hohen Stellenwert die Kirche immer schon der Schöpfung und damit auch den Pferden zukommen ließ. Wie auch beim Blutfreitag in Weingarten saß Pfarrer Stefan Werner mit den Reitern aus Bad Waldsee im Sattel. Diesem festlichen Akt mit Erteilung des Segen Gottes wohnten viele Besucher bei. In Vertretung von Bürgermeister Roland Weinschenk repräsentierte Sonja Wild die Stadt Bad Waldsee. Auch Pfarrer Thomas Bucher gesellte sich zu den Besuchern.

Mit der Musikkapelle voran zogen die Reiter durch die Fluren von Gaisbeuren und Reute. Am Ortsende klinkte sich die Kapelle aus, betend ging es dann in Richtung Möllenbronn. Vorbei an der Pfarr- und Wallfahrtskirche und dem Kloster kam die Reiterprozession wieder zurück. In Gaisbeuren erwarteten Saiten und Getränke die zahlreichen Reiter. Während des Flurritts unterhielt Zauberkünstler Markus Zink die vielen großen und auch kleinen Gäste auf das Beste.

 


Schwäbische Zeitung vom 22.04.2018
Bericht: Yvonne Giwitsch

Reiterprozession und Gottesdienst zu Ehren des Schutzpatrons

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17 Reitergruppen und etliche Blutreitergruppenaus der näheren und weiteren Umgebung haben am Georgsritt teilgenommen.
(Foto: Yvonne Giwitsch)

 

Bei strahlendem Frühlingswetter und wahrlich sommerlichen Temperaturen hat das Georgsfest im Bergatreuter Ortsteil Gwigg stattgefunden.

In Bergatreutes Teilort Gwigg steht eine denkmalgeschützte Kapelle, die dem Heiligen Georg geweiht ist. Sie zeigt in ihrem Inneren kunstvolle Darstellungen der bekanntesten Szenen aus der Legende um das Leben des heiligen Georg. Der heilige Georg ist bekannt als Schutzpatron von Pfadfindern, Bauern und Reitern. Er ist zudem der Schutzpatron der Pferde. Die Brüder Alois und Manfred Hoh hatten 1995 die Idee, das Georgsfest in Gwigg wieder aufleben zu lassen und mit einem Georgsritt zu verbinden. In diesem Jahr wurde das Georgsfest zum 24. Mal gefeiert.

17 Reitergruppen aus der näheren und weiteren Umgebung gaben am Sonntag beim traditionellen Georgsritt ein Zeugnis lebendigen Glaubens. Angereist waren auch in diesem Jahr etliche Blutreitergruppen aus der nahen und weiteren Umgebung, um mit der Blutreitergemeinschaft und den beiden Reitvereinen Bergatreutes beim Georgsritt mit zu reiten.

So waren denn auch wieder unzählige Gläubige zu der Kapelle St. Georg in Gwigg gekommen, um das gemeinsam das Patroziniumsfest zu feiern und in einem festlichen Gottesdienst um den Segen Gottes zu beten. Festlich geschmückt und liebevoll herausgeputzt zog die Reiterprozession zum Gotteshaus, um dort vor den wartenden Gläubigen den Segen Gottes für ihre Reiterprozession zu empfangen.

Der Heilige Georg, Schutzpatron der Bauern, Reiter, Sattler und Schmiede, aber auch der Pfadfinder, gilt noch heute als Vorbild christlicher Tapferkeit, wenn es darum geht, für den Glauben einzustehen.

Während die Blutreitergruppen zusammen mit dem ehemaligen Blutreiterpater Pirmin vom Benediktinerkloster Weingarten betend und singend durch die Flure rund um Gwigg zogen, feierten die Gläubigen zusammen mit ihrem Gemeindepfarrer Klaus Stegmaier mitten in Gottes wunderschöner Natur vor herrlichem Bergpanorama den festlichen Gottesdienst zu Ehren des Schutzpatrons ihrer Kapelle.

Nach rund einer Stunde kamen die Reiter wieder zum Festgelände zurück, wo sie von den Gläubigen freudig empfangen wurden.

Nachdem die Pferde versorgt waren, genossen Reiter und Gäste in der frühlingshaften Atmosphäre mitten in der blühenden Natur die gemütliche Feststimmung und bewiesen, wie selbstverständlich der Glauben im täglichen Leben verankert ist.