SEELSORGEEINHEIT BAD WALDSEE

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Pfarrkirche Sankt Johannes Evangelist

Es ist nicht genau bekannt, wann in Michelwinnaden erstmals eine Kirche errichtet wurde. Erstmals erwähnt wurde ein Gotteshaus im Jahr 1275. Das Kirchenpatronat war im Besitz des Schenken von Schmalegg, kurz darauf ging es an das Haus Königsegg und dann an den Deutschen Orden, einem Ritterorden in Altshausen. Im Jahr 1589 wurde die Kirche neu gebaut und in mehreren Bauetappen verändert. Das Prämonstratenserkloster Schussenried übernahm 1754 das Patronat der Kirche und hatte diese Rechte bis zur Säkularistion 1803.

Ältester Teil der Kirche ist der Turm, dessen unterer Teil noch als Wehrturm erhalten ist. Bis 1826 trug sie ein barockes Zwiebeldach. Nach einem Brand wurde ein spitzes Zeltdach angebracht.

Im Vorraum der Kirche wurde in neuester Zeit ein Stück des ehemaligen Chorfensters aus dem 19. Jahrhundert eingesetzt: Johannes Evangelist.

Chorraum: Linkerhand befindet sich eine Muttergottesfigur (um 1720), die die ursprüngliche, auf einer Prozessionsstange angebrachte Figur von 1430, ersetzt und bis in die 60er Jahre unserer Zeit bei Prozessionen von 4 Mädchen getragen wurde. Die Leuchterengel am Chorgestühl könnten aus der Werkstatt des Waldseers Hans Zürn d.Ä. (+1631) stammen. Das Bild „Maria Krönung“ an der linken Chorwand war einst Hochaltarbild eines 1759 erstellten Hochaltars. Der jetzige Hochaltar wurde 1805 im klassizistischen Stil geschaffen. Die in der Nische stehende Marienstatue „Maria auf der Säule“ und die seitlich angebrachten Figuren der Heiligen Augustinus und Norbert stammen vermutlich vom Waldseer Bildhauer Jakob Bendel (um 1620). Rechts befinden sich ein Weihnachtsbild und Figuren der Heiligen Leonhard und Magnus. Um 1650 wurde das an der rechten Seitenwand des Kirchenschiffs angebrachte ehemalige Chorbogenkreuz geschaffen.

Die Seitenaltäre wurden 1774 im Kloster Schussenried hergestellt. Im rechten Altarbild erscheint die Muttergottes dem Gründer der Skapulierbruderschaft, dem Karmeliter Simon Stock. Ihm soll am 16. Juli 1251 in Cambridge die Gottesmutter Maria erschienen sein. In einer Vision trug sie ein Skapulier in der Hand, ein über Brust und Rücken getragenes Tuch. Sie gab dem hl. Simon Stock das Versprechen, dass jeder, der es trage, unter ihrem besonderen Schutz stehe. Schließlich baten auch Angehörige anderer Orden und Laien, ein solches Skapulier tragen zu dürfen. Daraufhin wurden in Karmeliterklöstern sogenannte Skapulierbruderschaften für Laien gegründet. Die Mitglieder der Skapulierbruderschaften fühlten sich der Muttergottes in besonderer Weise verbunden. Diese Marienverehrung entsprach dem religiösen Bedürfnis jener Zeit. Auch in Michelwinnaden gab es eine solche Skapulierbruderschaft, in die sich die Leute aus 45 Ortschaften der Umgebung eintragen ließen. Begonnen hatte sie 1774 und bis 1830 bestand ihre Blütezeit. Die Bedeutung der Bruderschaft hatte ihren Grund in der Michelwinnader Marienwallfahrt zu „Maria auf der Saul“ (Säule).

Des Weiteren sind in diesem Altarbild Medaillons über die Aussagen des freudenreichen Rosenkranzes zu sehen, die der Künstler, der damalige Pfarrer der Gemeinde, nach Michelwinnaden verlegt hat. Mit auf dem Bild ist auch eine Dorfansicht aus dem 18. Jahrhundert.
Das linke Altarbild zeigt den Heiligen Martin mit seiner bekannten Szene, der Teilung des Mantels.

Euchstachius Gabriel (+1772) schuf das Deckengemälde im Chor: „Die Verehrung der Muttergottes auf der Säule“. Es verweist auf die Michelwinnader Wallfahrt. Das Deckenbild im Kirchenschiff zeigt die Vision aus der Offenbarung des Johannes: …..eine Frau, mit der Sonne bekleidet; der Mond war unter ihren Füßen und ein Kranz von zwölf Sternen auf ihrem Haupt…...(Offb 12.1-2). In den Ecken sind aus den damals bekannten vier (!) Kontinenten kommende Vertreter zu sehen, darunter Kaiserin Maria Theresia für Europa.

Die Kanzel wurde zu Beginn des 19. Jahrhunderts angebracht. Auf ihrem Schalldeckel befindet sich eine Statue des Kirchenpatrons, die aus der Waldseer Zürnwerkstatt stammt. Der Taufstein stammt aus derselben Zeit. Die neubarocke Figur Johannes des Täufers ist neueren Datums.

In der Kirche finden sich noch Spuren aus der großen Wallfahrtszeit. Im Chorbogen sind links und rechts Opferkästen angebracht, in welche die Pilger ihre Gabe einlegten, ehe sie den Altar bzw. die vor dem Altar ursprünglich frei stehende Muttergottes umschritten.

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