SEELSORGEEINHEIT BAD WALDSEE

  • 07524 99091-0
  • Blutfreitagsgeschichten

Von Manfred Roth

jaegle

Die Idee, Blutfreitagsgeschichten aufzuschreiben, entstand im Vorfeld des Hl.-Blut-Jubiläums 1994, in dem 900 Jahre Geschichte der Hl.-Blut-Verehrung, Geschichte unserer Heimat, aufgearbeitet und dargestellt werden. Darin verwoben sind - gestern und heute - Begebenheiten und Erfahrungen vieler Menschen um Bittwoche, Christi Himmelfahrt und Blutfreitag. Und manchmal zeigt sich, dass die Hl.-Blut-Verehrung prägend für ein ganzes Leben werden kann. Dies wird vor allem dann spürbar, wenn Geschichten erzählt werden - leise und wenig spektakulär, voll Herzlichkeit, Freude und Lebenserfahrung. Die Blutfreitagsgeschichten sind ein Versuch, dies festzuhalten und weiterzugeben.

Die "Blutfreitagsgeschichten" sind auch nachzulesen in unserer jährlich erscheinenden Broschüre "Rundbrief“.

© Bild: Otto Jägle

Paul Maucher

paul maucher 1

Bad-Waldsee-Neuurbach

Geboren in Bad Waldsee, Jahrg. 1951

Landwirtschaftsmeister und
Pferdezüchter

Mitglied der Blutfreitagsgemeinschaft Weingarten mit seinen Blutreitern

Gruppenführer der Blutreitergruppe Bad Waldsee e.V.

Langjähriger Aufsichtsrat eines
Unternehmens

Ehemaliger Vorsitzender des Reit- und Fahrvereins Bad Waldsee e.V. und des Pferdezuchtvereins Bad Waldsee e.V.

Zunftrat, Kurier des Zunftrates

Träger des Federlessterns in Gold am roten Band der Narrenzunft Waldsee e.V.

 

Unweit der Kur- und Bäderstadt Bad Waldsee, eingebettet in weite Wiesenlandschaften, liegt das landwirtschaftliche Anwesen der Familie Maucher.

Die Hofeinfahrt grenzt an das ausgedehnte Gehöft mit den Stallungen der Pferdezucht und gegenüber an das neuerrichtete Wohnhaus. Ein ebenso imposantes wie malerisches Scheunentor beherrscht die Szene. Im sonnendurchfluteten Wohnzimmer liegen Fotoalben, Bücher und Zeitungsausschnitte, Gebetssammlungen und Dokumente bereit. Heilig-Blut-Kerzen, eine davon besonders kunstvoll gestaltet, und ein beträchtlicher Vorrat an Hl.-Blut-Öl-Fläschchen komplettieren die blutfreitägliche Atmosphäre mitten im Januar. Wir sitzen am Tisch, Paul und Birgit Maucher, und wenig später wird auch Birgit Mauchers Mutter per Telefon mit dabei sein und Herr Maucher beginnt aus seinem Leben zu erzählen.

 

Der Gehilfe

Auf den Bauernhöfen des Oberlandes war die Mithilfe der Kinder damals noch eine Selbstverständlichkeit. Da machte man auch auf dem Hof der Familie Maucher in Waldsee, „mitt´le im Kurgebiet“, keine Ausnahme.

Wenn die Arbeit drängte, wartete der Vater schon ungeduldig bis sein Sohn endlich von der Schule heimkam und „wenn´s pressiert hat“ holte er ihn dort gleich mit dem Traktor ab. Ging's dann etwa zum Futterholen musste Paul das Steuer übernehmen. Darauf war der Siebenjährige zwar mächtig stolz, gleichzeitig machte ihm das schwergängige Kupplungspedal größte Schwierigkeiten beim Anfahren und Halten. Doch der findige Siebenjährige entdeckte alsbald die Lösung des Problems: Wenn er sich nur geschickt „am G'länder vom Beifahrersitz“ abstützte, gelang es ihm unter Einsatz aller Kräfte, dieses verflixte Pedal in der notwendigen Weise durchzudrücken mit dem Ergebnis, dass ihm das Anfahren und Halten immer geschmeidiger glückte.

Auch erinnert er sich noch lebhaft daran, wie er vom Vater eingeteilt wurde, mit zwei Pferden einen dreieinhalb Morgen großen Acker zu eggen. Er war zwar schon seit jeher den Umgang mit Pferden gewohnt. Die Führung von zwei Arbeitspferden, die eine Egge zu ziehen hatten, stellte für den Neunjährigen aber doch eine ganz besondere Herausforderung dar, die er dann mit wachsendem Selbstbewusstsein und zur Zufriedenheit des Vaters bewältigen konnte. „Auf so an G´hilfe wie mi´ hat d´r Vater bloß g´wartet!“ Davon war Paul schon bald felsenfest überzeugt.

 

Pferdebegeisterung

Der grundlegende gesellschaftliche Wandel der zu Ende gehenden 60er Jahre machte auch vor der Landwirtschaft des Oberlandes nicht halt.

In der zunehmend technisierten Welt verloren die Pferde rasch an Bedeutung. Der Pferdebestand verringerte sich dramatisch – nicht so bei der Familie Maucher: Schon seit Urgroßvaterszeiten bewahren sie sich ihre Begeisterung für Pferde bis zum heutigen Tag:

Eines Tages brachte der Vater von Fronhofen eine Zuchtstute „hoim“, ein mit allen Gaben versehenes Pferd von edlem Körperbau und makellosem Bewegungsablauf: Die unvergessene „Ginette“, e´ ganz toll´s Pferd“, das auch sofort Pauls ganze Zuneigung fand.

In der alten Marktstadt Riedlingen wird seit über sechs Jahrzehnten ein Pferdemarkt abgehalten, der weithin bekannte „Riedlinger Fohlenmarkt“. Er gilt als vielbesuchter Höhepunkt im Leben der Donaustadt und ist beim fachkundigen, auch internationalen Publikum hochgeschätzt! Dass auch Pauls Vater, Landwirtschaftsmeister und seit 1953 Gruppenführer der Blutreitergruppe Waldsee, regelmäßig dazugehörte, zeigte sich einmal mehr, als er stolz seiner Familie zwei Fohlen präsentierte, die er dort erwerben konnte. „Die sind für d´r z´ Blutfreitag  Weingarten“ erklärte er kurz und bündig. Und Paul, sein Sohn und „G´hilfe´“ hatte immer den Eindruck, dass der Vater die Riedlinger Fohlen mit besonderer Sorgfalt aufgezogen hat.

 

Blutreiter

Paul unterstützte seinen Vater tatkräftig. Wie mühsam auch so manche Arbeit auf dem Hof erschien, das Füttern, Ausmisten, Putzen und Striegeln der Pferde ging ihm ungleich leichter von der Hand, besonders, wenn er vom Reiten träumte. Ein Blutreiter wollte er werden wie sein Vater, der ihn schließlich auch das Reiten lehrte – „auf die militärische Art und Weise“ und unter Berücksichtigung von Befehl und Gehorsam. Sein Reitlehrer war im Krieg bei der Artillerie mit den Pferden befasst, „des hat ma´ immer no´ g´merkt!“

1958 war es dann endlich soweit. Der lang ersehnte Tag brach an. In aller Frühe gegen drei Uhr konnte man einen stolzen, gut trainierten 7jährigen Blutreiter gen Weingarten ziehen sehen, ins Quartier der Blutreitergruppe Waldsee im Gasthof Traube mit seinen Stallungen, in der Nähe des Weingartener Güterbahnhofs.

 

paul maucher 3

Paul Mauchers Premiere (2. von links)

 

Zwischenbemerkung: Mantuaner Überraschungen – Kreuzwoche

Seit 1998 unternimmt die Blutfreitagsgemeinschaft im zweijährigen Turnus ihre stets gut besuchte Wallfahrt nach Mantua, um die dortige Heilig-Blut-Verehrung, die eingebunden ist in die Karfreitagsfeierlichkeiten, mitzuerleben. Seit ihrem Beitritt zu unserer Gemeinschaft vor 15 Jahren zählen Birgit und Paul Maucher zu den treuesten Teilnehmern und bei unserer letzten Mantuafahrt 2018, 2020 musste sie coronabedingt entfallen, war auch Birgits Mutter, Luise Volk, mit dabei.

Der genaue Anlass ist mir und meiner Frau Bärbel nicht mehr erinnerlich, aber an die lebhafte Unterhaltung, vermutlich während einer der köstlichen Mahlzeiten, erinnern wir uns immer wieder gerne, förderte sie doch völlig Überraschendes zutage:

Zunächst stellte sich heraus, Frau Maucher und ihre Mutter Luise Volk, Jahrgang 1933, stammen aus Weingarten. Frau Volk wohnte in der Karlstraße, wo wir heute noch ansässig sind – sie in Nr. 30, wir heute in Nr. 33 und Luise wurde in Nr. 30 geboren, ich in meinem Elternhaus Nr. 35 und „vielleicht ham´r sogar d’e gleich‘ Hebamm‘ g’het …“

Die Karlstraße 30 beherbergte bis in die sechziger Jahre hinein eine Gastwirtschaft und Luise ist die Tochter der ehemalige Wirtsleute Kreszentia und Anton Heilig, den Pächtern vom „Kornhaus“, allgemein auch „Bierhalle“ genannt, ein gut bürgerliches Gasthaus, in dem nicht nur die Nachbarn ihre Familienfeiern und Totenmahle abhielten. Im Ausschank war das süffige Stolz-Bräu aus Isny und die hausgemachten Sulzen der Wirtin erfreuten sich weithin großer Beliebtheit.

Frau Volk kennt sich also bestens aus, wenn sie vom „Blutfreitag z’Wei’garte‘“ erzählt, als unser Blutreiter Paul Maucher 1958 seine Blutritt-Premiere erlebte:

 

Kreuzwoche

In jener Zeit herrschte schon während „d´r ganze´ „Kreuzwoch´“ Hochbetrieb in Weingarten, weiß Luise Volk. Schon Tage vor dem Blutfreitag waren Schausteller und fahrende Händler dabei, ihre Fahrgeschäfte und Stände entlang den Straßen aufzubauen, damit sie an Christi Himmelfahrt und Blutfreitag ihre Waren feilbieten und für gute Umsätze sorgen konnten. Auch die Weingartener Geschäfte und Läden waren an beiden Tagen selbstverständlich geöffnet. Zudem bezogen erste Blutreitergruppen schon am Mittwochabend ihre Quartiere. „Des war gut für d´ Wirtschafte´“.

Auch das „Kornhaus“ stellte, wie viele Wirtschaften und innerstädtischen Bauernhöfe, Quartiere bereit. Die Pferde wurden in den Stallungen hinter der Wirtschaft, heute Löwenplatz, eingestellt, während die Blutreiter im Gastraum und Nebenzimmer nächtigten. „Mir han´d die ganz´ Nacht aufg¢het“ und erst zu später Stunde konnte man „´s Zeig na¢richte´ für d´r ander´ Tag!“ Blutreiter und Pilger belebten in großer Zahl die Stadt und manche blieben auch noch am Blutfreitag samt Musikkapellen bis zum späten Nachmittag, ehe sie wieder in ihre Heimat zogen. „Das war schon einmalig“, erinnert sich Frau Volk.

 

Letztlich glimpflich

Alles war gut gegangen. Der Blutritt 1960 war für die Waldseer ohne besondere Vorkommnisse und unfallfrei verlaufen, der Gruppenführer, Pauls Vater, hoch zufrieden und der Neunjährige erschöpft und stolz!

 

paul maucher 4

 

Schon hatten sie den Heimweg angetreten auf ihrem Jagdwagen mit Pritsche, bespannt mit zwei Zugpferden aus eigenem Stall. Auch ein Blutreiterkamerad war mit von der Partie. Das dritte Pferd hatten sie an der Pritsche angebunden und gerade den Weingartener Güterbahnhof passiert. Dort herrschte Hochbetrieb. Per Ausnahmegenehmigung waren an Christi Himmelfahrt unzählige Pilger angekommen und nun drängten sie sich zur Heimreise. Eine Lokomotive ließ mit gellendem Pfiff Dampf ab. Nun ging alles blitzschnell: Aufgeschreckt scheute das mitgeführte Pferd, der Jagdwagen wurde ruckartig gegen den Randstein gedrängt, Paul stürzte auf die Straße, der Vater wurde von den durchgehenden Pferden mitgeschleift!

Zur selben Zeit besorgte die Mutter, die mit ihrer Nachbarin „auf´m Blutfreitag“ war, in der Bäckerei ein „Krämle“ für die Daheimgebliebenen. Der Laden war „voll´ Leit“, die sich rege unterhielten. Alles sei gut gegangen beim Blutritt, wussten die einen. Eine Kutsche wäre verunglückt, meinten andere. „So viel i´ weiß, sind´s zwei Blutreiter und e´ Ministrantenbüble“, ergänzte die Bäckersfrau. „Es weret doch hoffentlich it die unsere sei“, dachte die Mutter. Und als ein Krankenwagen mit hoher Geschwindigkeit am Schaufenster vorbeifuhr, beschlich sie eine dunkle Ahnung, die alsbald zur Gewissheit werden sollte:

Das mitgeführte Pferd hatte den Vater am Kopf getreten und ihm schwerste Verletzungen zugefügt, „die ganz´ Haut war weg“, die Kleider zerrissen. Auch der Blutreiterkamerad war verletzt und Paul wurde nach eingehender Untersuchung ins Krankenhaus „Vierzehn Nothelfer“ in Weingarten eingewiesen, wo er erst nach langen zehn Tagen entlassen werden konnte, während sein Vater, entgegen dem dringenden Rat der behandelnden Ärzte, „´it in´s Kranke´haus g´ange´ isch“. Trotzdem ist „alles no´ glimpflich aus´gange´“ und dieses große Glück interpretiert Paul Maucher als „Hilfe vom Hl. Blut“. Diese Erfahrung aus Kindheitstagen ist ein Schlüsselerlebnis in seiner Heiligblutverehrung. Er zeigt sich auch nach über sechs Jahrzehnten überzeugt, dass vom Hl. Blut ein Segen ausgeht.

 

Neuanfang 1969

Die Aussiedlung der Landwirtschaft aus der städtischen Enge ins nahe Neuurbach markierte 1969 den Beginn einer neuen Ära. „Endlich ham'r g´nug Platz g´het“ für die lang ersehnte Erweiterung der Hofstelle. Vor allem konnten nun großzügige, dem aktuellen Bedarf angemessene Stallungen für die Pferdezucht errichtet werden. Und als der 26jährige Paul sich, wie einst sein Vater, auf den Weg nach Riedlingen machte, um zwei Fohlen zu erwerben, hat die Pferdezucht eigentlich „erscht so richtig a´g´fange´“! Noch heute ist er zu Recht stolz darauf, dass eins davon zur prämierten Staatsstute avancierte. Und jedes Jahr im Februar klopft das größte Glück einer jeden Pferdezüchterfamilie bei Mauchers an: „Zwoi Fohle kommet auf d´ Welt!“, die Paul Maucher für den „Blutfreitag z´ Weigarte´“ aufzieht.

Im Jahr 2002 wurde der Landwirtschaftsmeister, der ehemalige Vorsitzende des Reit- und Fahrvereins und des Pferdezuchtvereins Bad Waldsee, Paul Maucher, zum Gruppenführer der Blutreitergruppe Bald Waldsee gewählt und trat somit in direkter Linie die Nachfolge seines Vaters an.

Und im folgenden Jahr wurde dem Vater und hochgeschätzten Gruppenführer Paul Maucher sen. eine ganz besondere Ehre zuteil. Der 87jährige konnte beim Blutritt 2003 ein äußerst seltenes Jubiläum begehen: 60 Jahre Blutreiter, davon 50 Jahre Gruppenführer in der Verehrung des Heiligen Blutes von Weingarten!

 

Dem Blutfreitag entgegen

Nach den Tagen der intensiven Vorbereitungen beginnt für Familie Maucher der Blutfreitag eigentlich schon an Christi Himmelfahrt, wenn sie sich um die Mittagszeit – gut gerüstet – im Hof des Anwesens in Neuurbach sammeln. Punkt 12 Uhr mahnt Paul Maucher zum Aufbruch und mit 5 bis 6 ihrer Pferde reiten sie Richtung Weingarten. Der Ritt führt über Kümmerazhofen und Sulpach und beeindruckt die kleine Blutreitergruppe, zu der selbstverständlich auch Birgit Maucher und die Töchter Sophia und Ramona gehören, jedes Jahr aufs Neue mit den Schönheiten der heimatlichen Gefilde, wie sie nur ein Reiter erleben kann. „Da wird ma´ ruhig und hat Zeit für seine Gedanke´“.

 

paul maucher 5

Ministrantinnen Ramona und Sophia beim Hl. Blutfest in Bad Wurzach

 

Und diese stimmungsvolle Atmosphäre überträgt sich wohl auch auf die Pferde, die anderntags beim Blutritt „viel ausgeglichener“ sind.

Dass dies alles so möglich wird, ist auch Verdienst von Frau Maucher, die in der Vorbereitung auf den großen Tag schon seit Wochen mit „de' Ross‘“ arbeitet. Es sind Pferde aus der eigenen Zucht, die am Blutfreitag zum Einsatz kommen. Daneben hält sie auch Zaumzeug, Sättel und „d´r Frack“ in Ordnung, so ist sie sich sicher, dass „des am Blutritt au´ klappt“. Selber eine Weingartener Blutreiterin sein, wie es seit 2021 möglich ist, will sie nicht: „D´r Blutritt z´Wei´garte´ isch e' Männerwallfahrt“, meint Frau Maucher! Während die Waldseer Gruppe beim Hl.-Blutfest in Bad Wurzach selbstverständlich mit ihren weiblichen Mitgliedern reitet – genauso wie am Fronleichnamsfest in Bad Waldsee, am Georgiritt in Gwigg oder Leonhardiritt in Gaisbeuren.

Zudem zeichnet sie als Vorstandsmitglied der Bad Waldseer Blutreitergruppe als Schriftführerin für den gesamten Schriftverkehr verantwortlich, ist Geschäftsführerin des Reit- und Fahrvereins Bad Waldsee und engagierte Nebenreiterin des Pfarrers beim Hl.-Blut-Fest in Bad Wurzach.

 

So sehen Sieger aus:
Birgit und Paul Maucher mit Ursula Linz, Ehefrau des
Festordners und Stadtgardisten Herbert Linz, Weingarten
Reit- und Fahrverein Bad Waldsee beim Turnier 2016 
       paul maucher 6


Blutreitergruppe Bad Waldsee e. V.

1910 - 2010: Im Mai konnte die Blutreitergruppe mit großem Festprogramm ihr 100jähriges Jubiläum feiern. Den Festgottesdienst hielt Pater Pirmin Maier OSB vom Kloster Weingarten. Nachmittags, nach dem Festakt, wurden vor großem Publikum Aufzeichnungen und Bilder aus dem Archiv präsentiert, die bis in die 1920er Jahre zurückreichen. Dem Jahr 1923 kam dabei eine besondere Bedeutung zu: Im April dieses Jahres entstand der „Blutritter-Verein Waldsee-Steinach-Urbach“ mit Vereinsstatuten, die bis zum Jahr 2005 ihre Gültigkeit behalten sollten.

Unter der Federführung von Gruppenführer Maucher beschlossen die Blutreiter eine neue Satzung und Eintragung in das Vereinsregister unter dem Namen „Blutreitergruppe Bad Waldsee e.V.“ Längst hatten die alten Statuten in keiner Weise mehr den heutigen, auch rechtlichen, Anforderungen entsprochen und bedurften dringend einer gründlichen Überarbeitung. Dazu eine kleine Kostprobe über Aufgaben und Anforderungen des Gruppenführers aus den alten Statuten von 1923: „Seinem Kommando haben sich alle Reiter zu unterwerfen. Es soll womöglich ein militärisch geschulter Reiter sein.“ Vielleicht hat diese Formulierung bei Maucher auch ein Schmunzeln hervorgerufen in Erinnerung an den Reitunterricht bei seinem Vater, in jedem Fall aber widerspricht sie gänzlich der heutigen Auffassung von der Führung einer Blutreitergruppe, insbesondere bei Paul Maucher, der sich bei aller Verantwortung, die mit diesem Amt einhergeht, eher „als Gleicher unter Gleichen“ versteht.    

 

paul maucher 7        paul maucher 8


Max Laubacher, Gruppenführer von 1922 - 1952
1946 wurde der erste Blutritt nach dem Krieg zu Fuß abgehalten

 

Für die aktuelle Fassung diente die Vereinssatzung der Blutfreitagsgemeinschaft Weingarten e.V. als Grundlage und Anregung – mit tatkräftiger Unterstützung des Vorsitzenden Dr. Christoph Sprißler.

Dem Vorstand gehören an:

Der erste Vorsitzende, der Gruppenführer als zweiter Vorsitzender, sein Stellvertreter, der Geistliche Beirat, der Schriftführer, der Zeugwart und die Beisitzer.

 

Paul Maucher bei der Eucharestiefeier
zur Jahreshauptversammlung 2018 
       paul maucher 9

 

Nun sind „Reitende“ – Frauen, Männer und Jugendliche – als aktive und „Nicht-Reitende“ als passive Mitglieder hochwillkommen. Damit sieht sich der Verein auch „breiter aufgestellt“, die Aufmerksamkeit für den Blutfreitag zu fördern und die Heilig-Blut-Verehrung zu stärken.

So kam die Teilnahme der Waldseer Blutreiter, vertreten durch Birgit und Paul Maucher und etlichen Reiterkameraden, an einer Mantuafahrt zustande, die für alle eine Bereicherung war. Vor allem repräsentierten sie zusammen mit unseren Weingartener Blutreitern beim Karfreitagsgottesdienst und auf der anschließenden Prozession zu Fuß durch die Straßen von Weingartens Partnerstadt in Frack, Gehrock, Zylinder mit ihren blau-roten und rot-weißen Schärpen und historischen Standarten in hervorragender Weise die oberschwäbische Heilig-Blut-Tradition.

Auch in geselliger Runde waren sie kameradschaftlich mit dabei und während der Heimfahrt verbreiteten sie jene herzerfrischende Stimmung, ohne die, wie erfahrene Wallfahrer wissen, auch die frömmste Wallfahrt nicht so recht gelingen will.

 

Am Blutfreitag

„Wenn´s Heiligblutglöckle läutet, geht mir des unt¢r d¢ Haut!“ Dann achtet Maucher sorgsam darauf, dass „alles ruhig und in Ordnung“ ist bei seinen Reitern und dass Pfarrer Stefan Werner, der ein Pferd aus Mauchers Stall reitet, gut begleitet und versorgt wird. Besonders in den Jahren als Gruppenführer ist ihm in zunehmendem Maße „der Respekt“ vor dem Blutfreitagsgeschehen erwachsen, das im Blutritt von Weingarten seine ganz besondere und einmalige Ausdrucksform erfährt und die Menschen zu Tausenden fasziniert.

 

paul maucher 10

Paul Maucher, Gruppenführer beim Blutritt 2019

 

In der Seelsorgeeinheit Bad Waldsee gibt es seit Jahren einen von Paul Maucher mitinitiierten Brauch, vor dem Blutfreitag in den Kirchen Handzettel bereitzulegen: Unter der Überschrift „Gebetsanliegen zum Blutfreitag in Weingarten“ finden die Besucher Informationen über das Selbstverständnis und die Motivation der Bad Waldseer Blutreiter. Dann folgt die Bitte, ihnen ihre Gebetsanliegen mit auf den Blutritt zu geben. „Schreiben Sie es hier auf dieses Blatt!“ Am Morgen des Blutfreitags reicht Pfarrer Stefan Werner diese Gebetsanliegen an die Blutreiter weiter, die sie auf ihrem Ritt um den Ösch der Hilfe vom Hl.-Blut anvertrauen.

 

paul maucher 11

 

In den mehr als 50 Jahren seiner Teilnahme „am Blutritt z´Weingarte´“ ist in ihm die Glaubenserfahrung gereift, dass die Heilig-Blut-Reliquie die Gegenwart Christi in der heutigen Zeit versinnbildlicht. „Das Schöne ist auch, dass ma´ in d´r Basilika d´r Heilig-Blut-Reliquie au' unter´m Jahr“ ansichtig wird und bei ihr im Gebet vertrauensvoll um Orientierung und Hilfe bitten kann in den dunklen Stunden und Unabwägbarkeiten des Lebens.Vor allem am Ösch und „b´sonders beim schmerzhaften
Rosenkranz“ erfährt der Blutreiter Paul Maucher „den Kern unseres Glaubens“. Er ist überzeugt, dass „Jesus Christus jedem hilft, sein Kreuz zu tragen“ und dass vom Heiligen Blut ein „Segen ausgeht für jeden, der den Segen bei sich ankommen lässt.“ Diese Erfahrung beim Blutritt machen zu können, ist für Paul Maucher und jeden Blutreiter ein Geschenk – und für alle, die offenen Herzens zum Hl.-Blut nach Weingarten kommen.

Herzlichen Dank Birgit und Paul Maucher!

 

Satz und Layout Elisabeth Linz 

 

paul maucher 12

Äußerer Klosterhof: Eine begeisterte Ministrantin Sophia Maucher –
im Hintergrund der stolze Vater

 

© Aus dem Rundbrief 2021 der
Blutfreitagsgemeinschaft Weingarten e. V.

Noch mehr Blutfreitagsgeschichten unter der Homepage
der Blutfreitagsgemeinschaft Weingarten e. V.

 


Wolfgang Habisreutinger

 

Hans Werz 


Kurt und Thea Siegel

      

Anton Beck 


Pater Pirmin Meyer OSB

 

Pfarrer Mandel


Wolfgang Ph. Seiter

          

Bruder Pius


Karl Hofmann

  

Paul Maucher