SEELSORGEEINHEIT BAD WALDSEE

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Wir wollen eine weltoffen, wahrnehmend und wertschätzend Gemeinde sein.“


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das Papstschreiben aus dem Jahr 2016
zur Ehe- und Familienpastoral

Bischof Franz-Josef Bode (Bistum Osnabrück) hebt insbesondere den positiven Ton hervor, in dem Papst über Ehe und Familie schreibt. Er zeigt „unglaublich viel Verständnis für die komplizierten und unterschiedlichen Verhältnisse, in denen Menschen heute leben. Dieses Schreiben ist so wunderbar realistisch“, sagt Bode.
In „Amoris laetitia“ ist Franziskus auch Eheberater – wohlwollend und alltagsnah. Diesen Eindruck teilt auch Martina Kreidler-Kos, Theologin, Mutter von vier Kindern und gebürtig aus Bad Waldsee. „Ich habe gestaunt, wie dicht er an Familie dran ist“, sagte sie.
Als Schlüsselworte des Schreiben nennt Kreidler-Kos Barmherzigkeit, Freude, Liebe und vor allem Unterscheidung. ,,Papst Franziskus rät dazu, die Lebenswege ganz gut anzuschauen, dann klug zu unterscheiden und eben nicht schwarz-weiß zu malen“, beschreibt sie. Was Franziskus vorschlägt, ist der sehr genaue, aufmerksame und vor allem liebevolle Blick auf den Einzelfall.
„Ich verstehe diejenigen, die eine unerbittliche Pastoral vorziehen, die keinen Anlass zu irgendeiner Verwirrung gibt. Doch ich glaube ehrlich, dass Jesus Christie eine Kirche möchte, die achtsam ist gegenüber dem Guten, das der Heilige Geist inmitten der Schwachheit und Hinfälligkeit verbreitet.“

(Papst Franziskus, Amoris laetitia 308)

Mit dieser Ausstellung wollen wir Sie mit dem Schreiben des Papstes bekannt machen, Vielleicht regt es Sie dazu an, mehr davon zu lesen. Im Schriftenstand finden Sie einen schlichten Drucksatz, einige Verlage haben es in Buchform herausgebracht

Die Kirchengemeinderäte der Seelsorgeeinheit Bad Waldsee haben sich, in den vergangenen beiden Jahren im Rahmen des diözesanen Prozesses ,,Kirche am Ort – Kirche an vielen Orten gestalten“, intensiv mit dem Schreiben befasst und daraus einen Leitsatz für die Kirchengemeinden entwickelt: Wir wollen eine weltoffen, wahrnehmend und wertschätzend Gemeinde sein.“

 


Eine Ehe, welche die Kraft der Liebe erfährt, weiß, dass diese Liebe berufen ist, die Wunden der Verlassenen zu heilen, die Kultur der Begegnung  einzuführen und für die Gerechtigkeit zu kämpfen. Gott hat der Familie das Projekt anvertraut, die Welt „heimisch“ zu machen, damit es allen gelingt, jeden Menschen als Bruder bzw. Schwester wahrzunehmen: » Ein aufmerksamer Blick auf das tägliche Leben der Männer und Frauen von heute zeigt unmittelbar den Bedarf an einem kräftigen Schuss Familiengeist, der überall besteht […] Die Organisation des gemeinsamen Lebens gerät nicht nur immer mehr in die Fänge einer Bürokratie, der die grundlegenden menschlichen Bindungen völlig fremd sind, sondern der gesellschaftliche und politische Umgang zeigt oft sogar Zeichen des Verfalls. «Dagegen geben die offenen und solidarischen Familien den Armen Raum und sind fähig, mit denen eine Freundschaft zu knüpfen, denen es schlechter geht als ihnen. Wenn ihnen das Evangelium wirklich wichtig ist, können sie nicht vergessen, was Jesus sagt: » Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan « (Mt 25,40). Sie leben letztlich das, was im folgenden Text mit so beredten Worten von uns verlangt wird: » Wenn du mittags oder abends ein Essen gibst, so lade nicht deine Freunde oder deine Brüder, deine Verwandten oder reiche Nachbarn ein; sonst laden auch sie dich ein, und damit ist dir wieder alles vergolten. Nein, wenn du ein Essen gibst, dann lade Arme, Krüppel, Lahme und Blinde ein. Du wirst selig sein « (Lk 14,12-14). Du wirst selig sein! Hier liegt das Geheimnis einer glücklichen Familie. 

(Papst Franziskus, Amoris laetitia 183)

Lange Zeit glaubten wir, dass wir allein mit dem Beharren auf doktrinellen, bioethischen und moralischen Fragen und ohne dazu anzuregen, sich der Gnade zu öffnen, die Familien bereits ausreichend unterstützten, die Bindung der Eheleute festigten und ihr miteinander geteiltes Leben mit Sinn erfüllten. Wir haben Schwierigkeiten, die Ehe vorrangig als einen dynamischen Weg der Entwicklung und Verwirklichung darzustellen und nicht so sehr als eine Last, die das ganze Leben lang zu tragen ist. Wir tun uns ebenfalls schwer, dem Gewissen der Gläubigen Raum zu geben, die oftmals inmitten ihrer Begrenzungen, so gut es ihnen möglich ist, dem Evangelium entsprechen und ihr persönliches Unterscheidungsvermögen angesichts von Situationen entwickeln, in denen alle  Schemata auseinanderbrechen. Wir sind berufen, die Gewissen zu bilden, nicht aber dazu, den Anspruch zu erheben, sie zu ersetzen.

(Papst Franziskus, Amoris laetitia 37)

Wir dürfen also die erotische Dimension der Liebe keineswegs als ein geduldetes Übel oder als eine Last verstehen, die zum Wohl der Familie toleriert werden muss, sondern müssen sie als Geschenk Gottes betrachten, das die Begegnung der Eheleute verschönert. Da sie eine Leidenschaft ist, die durch die Liebe, welche die Würde des anderen verehrt, überhöht ist, gelangt sie dahin, eine » lautere schiere Bejahung « zu sein, die uns das Wunderbare zeigt, zu dem das menschliche Herz fähig ist, und » für einen Augenblick ist […] das Dasein wohlgeraten «.

(Papst Franziskus, Amoris laetitia 152)

Ich danke Gott, denn viele Familien, die sich bei weitem nicht für vollkommen halten, leben in der Liebe, verwirklichen ihre Berufung und gehen voran, auch wenn sie unterwegs viele Male fallen. Das Ergebnis der Überlegungen der Synode ist nicht ein Stereotyp der Idealfamilie, sondern eine herausfordernde Collage aus vielen unterschiedlichen Wirklichkeiten voller Freuden, Dramen und Träume. Die Realitäten, die uns Sorgen machen, sind Herausforderungen. Wir gehen nicht in die Falle, uns in Wehklagen der Selbstverteidigung zu verschleißen, anstatt eine missionarische Kreativität wachzurufen. In allen Situationen » spürt die Kirche die Notwendigkeit, ein Wort der Wahrheit und der Hoffnung zu sagen […] Die großen Werte der christlichen Ehe und Familie entsprechen jener Suche, welche die menschliche Existenz durchzieht. «Wenn wir viele Schwierigkeiten feststellen, sind diese – wie die Bischöfe von Kolumbien sagten – ein Aufruf, » in uns die Energien der Hoffnung freizusetzen und sie in prophetischen Träumen, verwandelnden Handlungen und Fantasie der Liebe zum Ausdruck zu bringen. «   

(Papst Franziskus, Amoris laetitia 57)

Die ästhetische Erfahrung der Liebe drückt sich in diesem Blick aus, der den anderen als Ziel in sich selbst betrachtet, auch wenn er krank, alt oder seiner äußerlich wahrnehmbaren Anziehungskräfte beraubt ist. Der würdigende Blick besitzt eine enorme Bedeutung, und mit ihm zu geizen, pflegt Schaden anzurichten. Was tun nicht alles Eheleute und Kinder manchmal, um angesehen und berücksichtigt zu werden! Viele Verwundungen und Krisen entstehen, wenn wir aufhören, uns anzuschauen. Das ist es, was manche Beschwerden und Klagen ausdrücken, die man in den Familien hört: „Mein Mann sieht mich nicht an, für ihn scheine ich unsichtbar zu sein.“ – „Sieh mich bitte an, wenn ich mit dir spreche!“ – „Meine Frau schaut mich nicht mehr an, sie hat jetzt nur noch Augen für ihre Kinder.“ – „Zu Hause schert sich niemand um mich, und sie sehen mich nicht einmal, als ob ich nicht existieren würde.“ Die Liebe öffnet die Augen und ermöglicht, jenseits von allem zu sehen, wie viel ein Mensch wert ist.

(Papst Franziskus, Amoris laetitia 128)

Die Freude der Liebe, die in den Familien gelebt wird, ist auch die Freude der Kirche. So haben die Synodenväter darauf hingewiesen, dass trotz der vielen Anzeichen einer Krise der Ehe » vor allem unter den Jugendlichen der Wunsch nach einer Familie lebendig [bleibt]. Dies bestärkt die Kirche «. Als Antwort auf diese Sehnsucht ist » die christliche Verkündigung über die Familie […] wirklich eine frohe Botschaft «

(Papst Franziskus, Amoris laetitia 1)