SEELSORGEEINHEIT BAD WALDSEE

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Wer kennt sie nicht, die beiden biblischen Schwestern Maria und Martha?

Wer sind Sie lieber, Maria oder Martha?

Liebe Gemeindemitglieder,
liebe Bürgerinnen und Bürger,
liebe Gäste,

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© Bild: Martha Gahbauer / In: Pfarrbriefservice

 

wer kennt sie nicht, die beiden biblischen Schwestern Maria und Martha. Beides Freundinnen von Jesus, zusammen mit ihrem Bruder Lazarus. Menschen, die Jesus auf seinen Wanderungen durch Israel immer wieder gerne besucht hat, mit denen er in besonderer Beziehung stand und die deshalb auch Eingang in die Bibel gefunden haben.

Die biblische Geschichte von Maria und Marta, die uns am Sonntag in unseren Kirchen verkündet wird, ist die bekannteste. Sie reizt mich – als Frage, welchen der beiden Frauen ich eher nahe bin? Und sie reizt mich – zum Widerspruch, weil sie klischeehaft ein altmodisches Rollenbild von Frauen in Familie, Beruf, Kirche und Gesellschaft widerspiegelt – aktiv und handlungsstark wie Marta zu sein oder geistig und kontemplativ wie Maria.

Lukas erzählt, dass Jesus mit seinen Jüngern nach Betanien kommt und die beiden Schwestern besucht. Maria, eher zurückhaltend, setzt sich zu Jesu Füßen und lauscht seinen Worten. Sie will hören, was Jesus zu sagen hat. Marta, Hausfrau und Gastgeberin, eher mütterlich und praktisch orientiert, ist um das Wohl der Gäste besorgt. Sie macht sich viel zu schaffen.

Maria zu Jesu Füßen, ergeben zu ihm aufschauend, Marta geschäftig, den Kochtopf in der Hand. So ähnlich habe ich mir diese beiden Schwestern lange Zeit vorgestellt. Die Bilder aus der Kunst taten ein Übriges.

Die beiden Schwestern sind in der abendländischen Tradition oft gegeneinander ausgespielt worden, das kontemplative gegen das aktive Leben, das ruhige und besinnliche Hören gegen das rastlose Sorgen um die alltäglichen Dinge des Lebens. Die feministische Forschung hat diese Vorstel- lungen verändert. Sie hat gezeigt, dass die weit verbreitete Interpretation der Erzählung nicht ihre Aussage trifft. Es geht nicht um den Gegensatz Maria und Marta, Hören gegen Dienen, Geistiges gegen Praktisches.

Es geht um die richtige Haltung in der Nachfolge Jesu, dass der äußeren auch die innere Aufnahme der Botschaft Jesu entsprechen soll. Und so lässt der Evangelist Lukas Jesus eben auch sprechen: Maria hat den guten Teil gewählt, nicht das Bessere, wie es früher oft übersetzt oder auch gepredigt wurde.

Was ist aber der gute Teil?

Für mich heißt es, mich selbst nicht zu verlieren, die inneren Quellen immer wieder neu zu entdecken, daraus Kraft für mein Tun zu schöpfen und immer wieder zu erkennen, was wichtig ist. Und das wird einmal das Handeln, das schöpferische Tun, ein anderes Mal das Zuhören oder Träumen sein. Das sind keine Gegensätze. Beides ist wichtig.

Ich brauche Maria und Martha, weil ich beide Seiten in mir trage. Im Beruf und Alltag als Pfarrer, aber vermutlich auch in der Familie und in der Partnerschaft ist es oft schwer, beides in Einklang zu bringen. Aber ich wünsche mir und ich wünsche Ihnen, nie den Blick dafür zu verlieren, was gerade „dran“ ist.

Maria UND Martha

Martha und Maria verkörpern für mich zwei Seiten Christ zu sein: handeln und hören, beten und arbeiten, Aktives und Passives, Machen und Lassen. Ich und wir alle brauchen beides: die Aktivität von Marta, aber auch die Ruhe und zuhörende Gelassenheit von Maria.

Pfr. Stefan Werner

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