SEELSORGEEINHEIT BAD WALDSEE

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Pfingstmontag. Eigentlich säße ich jetzt im Reisebus, der mich und mehr als 20 Familien aus der Seelsorgeeinheit nach Assisi fährt. Eigentlich – denn das Corona-Virus hat auch der Familienfreizeit in Assisi einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Der heilige Franziskus und sein Gottesbild

Liebe Gemeindemitglieder,
liebe Bürgerinnen und Bürger,
liebe Gäste,

während ich an meinem Schreibtisch sitze, ertappe ich mich, wie ich mich immer wieder nach Assisi wegträume; wie schön es gewesen wäre, mit den Familien auf Spurensuche zu gehen, was diesen Franziskus ausgemacht hat, dass er bis heute so eine Faszination auf uns ausübt.

Und da stoße ich, eben auch im Blick auf den kommenden Sonntag, auf die aktuelle Aufgabe, das Wort zum Dreifaltigkeitssonntag zu schreiben, auf sein Gottesbild. Franziskus war kein Theologe, der sich in Spekulationen über die Trinität, die Lehre Gottes in drei Personen verlor. Das Gottesbild des Franziskus entwickelte sich aus einer Lebenskrise heraus.

Nachdem seine hochtrabenden Ritterträume geplatzt waren, nach einer Zeit als Kriegsgefangener, fand Franziskus in der Höhle von San Masseo einen Ort, der seiner inneren, dunklen Stimmung entsprach. Dort konnte er sich ihr stellen und fand sich selbst. Die Umarmung eines Aussätzigen auf dem Weg nach San Lazaro ließ sein Herz, seine Liebe erwachen – er entdeckte den Nächsten. In San Damiano dann hatte er ein mystisches Erlebnis und fand Gott.

Was sich so leicht in einem Absatz nennen lässt, waren tiefgreifende Erlebnisse, die das Innere des Mannes völlig veränderten. So sehr, dass er nicht mehr in sein altes Leben zurückkonnte. Er brach damit. Er brach auch mit dem Gottesbild der damaligen Zeit, das Christus als entrückten Weltenherrscher verehrte. Im Kreuz von San Damiano war er einem Christus begegnet, der ihn anschaute und ihm zuhörte. Christus auf Augenhöhe. Dem Suchenden erschließt sich eine neue Sicht: Gottes eigener Sohn stieg ab; der Sohn des Höchsten ist ein Freund der Kleinsten geworden – und Bruder der Menschen.

„Unser Vater ist im Himmel“, erklärte Franziskus. Seine öffentliche Loslösung von seinem irdischen Vater und die radikale Hinwendung zum himmlischen Vater stellte damals einen öffentlichen Skandal dar, der allerdings in der Folge auch Nachahmer fand. Erste Gefährten stellten sich ein, sie nannten sich Minderbrüder. Für Franziskus war klar, dass sich aus einem solchen Gottesbild nur eine universale Geschwisterlichkeit ableiten lässt. Wenn Gott unser aller Vater ist, dann sind alle Menschen Geschwister, dann gibt es keine Unterschiede – weder aufgrund von Herkunft, Geschlecht oder Beruf. Im Laufe seines Lebens weitete sich diese universale Geschwisterlichkeit auf alle Geschöpfe aus.

Christus auf Augenhöhe, Gott unser aller Vater – im Blick auf den Dreifaltigkeitssonntag fehlt jetzt nur noch der Heilige Geist. Und den nenne ich im Blick auf das Leben des heiligen Franziskus einmal „Berührer“ oder „Anrührer“. Denn die oben genannten Kernerfahrungen eröffnen Haltungen, die die franziskanische Nachfolge bis heute kennzeichnen. Da ist einer, der vom Evangelium, vom Wort Gottes berührt ist. Da ist einer, der berührt ist von Jesus im Menschen: im Anderen, vor allem im Armen Christus zu erkennen. Da ist einer, der von Krippe (Menschwerdung), Kreuz (Tod) und Eucharistie (Auferstehung) so angerührt ist, dass er diesen göttlichen Weg radikal zu seinem eigenen macht.

Was mir gefällt: Franziskus wartet mit keiner Lehre auf, sondern ermutigt zu einem Weg. Ein Weg, den jeder und jede von uns gehen kann; ein Weg, von Gottes Geist inspiriert und geleitet in der Spur Jesu; ein Weg, der geschwisterlich „Leben in Fülle“ erschließt, für alle Geschöpfe.

Andiamo – sagen die Italiener. Gehen wir! Oder: Lasst uns gehen!

Damit grüße ich Sie, hoffnungsvoll, dass Sie Ihre Wege der Nachfolge Jesu gehen – unter einem zweiten italienischen Zuruf, urfranziskanisch: Pace e bene!

Pfr. Stefan Werner 

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